Preisträger 2016 - LANDESKRANKENHAUS SALZBURG

Landeskrankenhaus Salzburg

Wir gratulieren unserem Preisträger

Projekt: "Integration und Transkulturalität am Landeskrankenhaus Salzburg"

Projektverantwortlicher: DGKP Herbert Herbst, Assistent der Pflegedirektion

Jurybegründung

Die Jurybegründung

Der Hans-Walter Vavrovsky Dialogpreis 2016 wurde mit folgendem Schwerpunkt von der Leitung von St. Virgil Salzburg ausgeschrieben: „Innovative, konkrete und umgesetzte Beiträge der gelungenen Kooperation von Menschen aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen, die das friedvolle Zusammenleben fördern“.

Laut Auskunft der Geschäftsführung des Dialogpreises gab es fast 40 Einreichungen. 27 eingereichte Projekte haben inhaltlich und formal der Ausschreibung entsprochen und lagen der Jury zur Entscheidung vor. Als Mitglieder der Jury waren wir sehr beeindruckt von der Qualität und der Vielfalt der Projekte, ebenso von der Breite und Tiefe des Engagements. Wir möchten übereinstimmend darauf hinweisen, dass das Studium der Projekte für uns sehr ermutigend war, vor allem im Blick auf die von einigen BewerberInnen formulierten und umgesetzten Positionen und Haltungen gegenüber einem Zeitgeist mit seinen ausgrenzenden und inhumanen Positionen.

Für den Hans-Walter Vavrovsky Dialogpreis 2016 haben wir übereinstimmend das Projekt „Integration und Transkulturalität am Landeskrankenhaus Salzburg“ ausgewählt.

Die einreichende Institution ist das Uniklinikum Salzburg | Landeskrankenhaus Ansprechpartner: Herbert Herbst, DGKP, Kontakt für Dolmetschdienste / Interkulturelle Versorgung

Das Ziel dieses 2009 begonnenen Projektes – so heißt es in der Einreichung – ist „die Beseitigung von Sprach- und Kulturbarrieren im Universitätsklinikum Salzburg, um die Qualität der medizinischen Versorgung sowie die Pflege und Betreuung der davon betroffenen PatientInnen positiv zu beeinflussen. Zudem werden durch die umgesetzten Maßnahmen die MitarbeiterInnen dabei unterstützt die Perspektive der PatientInnen unabhängig von ihrer Religion oder spirituellen Weltanschauung besser zu erfassen bzw. Kulturalisierungen und Stereotypisierungen zu vermeiden.“

Das Programm zur Integration und Interkulturalität am Landeskrankenhaus Salzburg zeigt, dass es möglich ist, sich den gegenwärtigen gesellschaftlichen Herausforderungen zu stellen, kreativ, couragiert und nachhaltig darauf zu reagieren sowie konsequent an der Umsetzung hilfreicher Maßnahmen zu arbeiten. Eine interkulturell und interreligiös sensible Pflege kommt allen Menschen zugute. Wer Hilfe braucht – egal, welche Sprache sie oder er spricht, welcher Religion jemand angehört, welchen kulturellen Hintergrund eine Person aufweist – darf qualitativ hochstehende Betreuung und kompetente Hilfe erwarten.

Insbesondere hervorzuheben ist,

  • die Bereitschaft auf beiden Seiten, dazu zu lernen
  • der kultursensible Umgang mit Religion
  • dass kultursensibler Umgang hier auch gendersensiblen Umgang bedeutet
  • die breite Abstützung des Projektes durch unterschiedliche und vielfältig ausgerichtete Akteure und die Unterstützung durch das Management des Krankenhauses
  • die positive Wechselwirkung zwischen säkularer Einrichtung und Religionen auf gesellschaftlicher und individueller Ebene und
  • dass die verschiedenen Akteure aus Pflege, medizinischer Betreuung, Seelsorge, ReligionsvertreterInnen, Professionen und Zielgruppen sich kontinuierlich im Dialog befinden

Das Projekt fördert sowohl Denken und Sprechen bzw. die Auseinandersetzung mit verschiedenen religiösen und kulturellen Traditionen und damit gegenseitiges Verstehen zwischen den PatientInnen und den Pflegenden. Es geht aber auch noch einen wesentlichen Schritt weiter, nämlich durch dieses Verstehen positiv und konstruktiv miteinander, aneinander und füreinander zu handeln.

Dieses Programm ist ein ermutigendes Beispiel dafür, dass es in Österreich – auch angesichts der gegenwärtigen rechtspopulistischen Propaganda – möglich ist, Schritte zur Entwicklung einer humanen und offenen Gesellschaft zu setzen.

Es bleibt zu wünschen, dass auch andere Krankenhäuser in Europa dem Beispiel folgen und unabhängig von Religion und Weltanschauung sensibel auf religiöse und weltanschauliche Vielfalt eingehen und Räume zur Verfügung stellen, um sich zur Einkehr und zum inneren Dialog oder Gebet zurückzuziehen und sich dem jeweiligen religiösen Bekenntnis entsprechend von Verstorbenen zu verabschieden.

Das Projekt kann von sämtlichen Pflegeeinrichtungen ganz oder teilweise adaptiert werden, es ist anregend nachhaltig.

Die Mitglieder der Jury:

Doraja Eberle, Salzburg
Univ.-Prof. DDr. Franz Gmainer-Pranzl, Salzburg
Amira Hafner-Al Jabaji, Basel
Prof. Heinz Nussbaumer, Hinterbrühl
Dr.in Carola Roloff, Hamburg

Das Preisträgerprojekt zur Ansicht

Das Preisträgerprojekt 2016 als PDF (297,7 KiB)

Es gibt heute keine Alternative mehr zum Dialog. Unsere Welt ist zu klein und zu bunt geworden, um noch hinter Mauern und Zäunen leben zu können! Ohne Brückenbauer werden wir nicht lange überleben!

Das aber heißt nicht, dass wir deshalb das Eigene vergessen dürfen – im Gegenteil. „Nur von festen Ufern lassen sich stabile Brücken bauen“.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Es war gerade der Dialog, der mich immer wieder ein Stück weitergebracht hat. Der mir aber auch den Wert des Eigenen bewusst gemacht hat – der eigenen Heimat, Kultur und Religion.

St. Virgil war und ist seit 40 Jahren so ein Kreuzungspunkt für Beides – für das Eigene und das Andere. Hoffentlich kann es das noch sehr lange sein!

Prälat Dr. Hans-Walter Vavrovsky

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